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Langsamkeit

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Text Praxedis Kaspar
Bilder Selwyn Hoffmann und Julia Leppin
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Ein Leben von 69 Jahren Dauer auf einem einzigen Fleck Erde mit Wohnhaus, Scheune, Tenne, Baumgarten. Der Boden, auf dem Hermann Waldvogel steht, ist sein Eigentum. «Hier», sagt er, «ist Haamet, wo sonst». Und es gab tatsächlich niemals in all der Zeit ein Sonst. «Wissen Sie, heute rennen alle nach vorn, alle eilen, alle drängeln, niemand hat Ruhe, niemand hat Zeit. Ich bin nicht so. Ich schaue zurück, ich erinnere mich, denn ich will wissen, wo ich herkomme, sonst kann ich nicht verstehen, wer ich bin.» Hermann Waldvogel, der Zimmermann, Drechsler und Allrounder, der Traktorensammler, Möbelschreiner, Gärtner und Obstbaumpfleger, sagt von sich selbst, er führe ein glück­liches Leben, aufgebaut mit eigener Hand und einem Quäntchen Glück.
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«Ich sehe vor meinen Augen, wie mein Vater - ich muss ein Sprenzel von vier, fünf Jahren gewesen sein -, wie der Vater von drunten aus dem Baumgarten kommt, eine Nuss in der Hand. Er holt eine Schaufel aus dem Schopf, gräbt die Nuss ein und sagt zu mir: Unter diesem Baum wirst du einst im Schatten sitzen.» 
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Das Wohnhaus, das früher die elterliche Scheune war, die Werkstatt mit den Holzmaschinen, die Tenne mit den roten Hürlimann-Traktoren und den alten Dreschmaschinen - all dies hat er in jahrelanger Arbeit eigenhändig renoviert und ausgebaut. Er verbessert es in einem fort und hält es instand. Denn: Nichtstun ist Gift, da fällt man aus dem Leim wie schlecht verarbeitetes Holz.
So lebt Hermann Waldvogel zusammen mit seiner Frau Brigitte, die ihre eigenen Interessen hat, auch nach der Pensionierung ein volles und aktives Leben: Jeden Tag arbeitet er in seiner Werkstatt, in Haus und Hof - oder geht jemandem hilfreich zur Hand, der nicht so geschickt ist wie er.
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In der Werkstatt von Hermann Waldvogel
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Der Vater, ein Zimmermannssohn aus dem Dorf, heiratete Aloysia, genannt Luise, die junge Frau, die nach dem Krieg aus dem darniederliegenden Kärnten gekommen war und in der Dorfwirtschaft Arbeit und Brot fand.
Noch heute wird Hermann Waldvogel traurig, wenn er sich erinnert, wie die Mutter zwölf lange Jahre warten musste, bis sie sich eine Fahrt in die alte Heimat leisten konnte, um ihre Eltern und Geschwister wiederzusehen. Schleppend langsam verging ihr damals die Zeit. Später dann, als man ein Auto hatte, sind die erwachsenen Kinder mit der Mutter immer wieder nach Kärnten gefahren.
Und heute, wo die Eltern lange tot sind, rattert Hermann Waldvogel mit seinem Prachtstück, dem grossen roten Hürlimann-Traktor, im Wohlfühltempo von 25 Kilometern pro Stunde da hinunter, wo er von den Verwandten als das Ereignis des Jahres gefeiert wird - für ihn eine wunderbare Erfahrung der Langsamkeit in der altbekannten Landschaft, die ihm im Lauf des Lebens ein bisschen zur zweiten Heimat geworden ist.

Das ausführliche Porträt von Hermann Waldvogel können Sie im «Schaffhauser Magazin» lesen.



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Astronomische Uhr

Text Andreas Schiendorfer
Bilder Selwyn Hoffmann

Warum, fragt sich Silvio Marugg, gehen die Leute so achtlos an der Habrecht-Uhr am Fronwagturm vorbei? Ein Leben lang ein Tüftler und Entwickler, widmet er sich seit einem Dutzend Jahren intensiv den astronomischen Uhren und hat selbst soeben selbst eine gebaut, die sogar den Sonnenauf- und -untergang anzeigt.


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Der heute in Stetten lebende Entwickler und Uhrmacher hat selbst ein Modell der astronomischen Habrecht-Uhr, die zehn verschiedene Angaben liefert, angefertigt.
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«Der Drachenzeiger der astronomischen Uhr am Fronwagturm von Joachim Habrecht brauchte für eine Umdrehung 18,2 Jahre», führt Silvio Marugg aus. «Wenn das nicht langsam ist, was dann?» Ganz genau genommen hätten es sogar 18,61 Jahre sein müssen, doch wäre das nur mit einer fast unlösbar komplexen Zahnradplanung erreichbar gewesen. «Die Abweichung ist von blossem Auge nicht erkennbar. Keine Uhr war genauer. Damals, im 16. Jahrhundert.» Heute läuft der Drachenzeiger mit der exakt richtigen Umlaufgeschwindigkeit. Dank einer elektronischen Steuerung. Ein Fortschritt in der Tat, doch in diesem speziellen Fall mag man das gar nicht so richtig würdigen. Im Wesentlichen zeigt der Drachenzeiger zusammen mit dem Sonnen- und Mondzeiger die Finsternisse an. Anschaulich ist die Erklärung der alten Chinesen: Ein grosser Drache verschluckt die Sonne respektive den Mond und spuckt das Himmelsgestirn am Ende der Finsternis wieder aus.
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Konstruierte Silvio Marugg zunächst eine einfache Pendeluhr, folgte danach eine Drehpendeluhr, welche auch die Mondphasen anzeigen konnte. Und dann kam eine richtige astronomische Uhr hinzu. «Sie ist soeben, Anfang Oktober, fertig geworden. Neben der Zeit und den Mondphasen zeigt die Horizontuhr auch Auf- und Untergang von Sonne und Mond an», erzählt er mit berechtigtem Stolz. Für den Bau und vor allem für die Entwicklung musste er rund 500 Stunden aufwenden.

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Die Horizontuhr - das bedeutet 219 Positionen, 727 Teile, 28   Kugellager, 29 Zahnräder, bedeutet 11 verschiedene Anzeigen, alle ausgerichtet auf den Horizont Stetten. «Die grösste Herausforderung für mich war die Forderung meiner Frau, man dürfe das Ticken nicht hören», so der Uhrmacher. Und der Preis? Etwa 30  000 Franken in Kleinserien. «Das ist natürlich eine astronomische Summe, aber der Markt, speziell in China, ist da, wie mir ein bekannter Schwarzwälder Pendeluhrmacher versicherte», gibt sich Silvio Marugg optimistisch.
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Silvio Marugg hat sich ein Ziel gesetzt: die Habrecht-Uhr wieder bekannter zu machen. «Die 1564 errichtete astronomische Uhr des Joachim Habrecht diente mit ihren fünf Zeigern, ich zitiere: zur Zierde der Stadt und zum Ergötzen der Einheimischen und Gäste.» Trotz des Einsturzes des Fronwagturms im Jahr 1746 sei das Originalwerk nach wie vor funktionstüchtig. Es befinde sich aber ungenutzt im Museumsdepot. Stattdessen sollte es, fordert Marugg, an geeigneter Stelle ausgestellt werden, wenn möglich mit einem Bezug zu den anderen astronomischen Uhren, welche die Familie Habrecht konstruiert habe. «Das wäre ein Gewinn für die Stadt und aktive Tourismuswerbung: Unsere Fronwagturmuhr ist ebenso bedeutend wie die berühmte Zytglogge in Bern.»

Das ausführliche Porträt von Silvio Marugg können Sie im «Schaffhauser Magazin» lesen.

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Zeitgefühl

Text Diana Zucca
Bilder Luisa Kehl, zVg

Lisa und Pedro. Zwei junge Erwachsene. Unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichem Background. Und mit dem gemeinsamen Gefühl, in einer schnellen Zeit zu leben, die ihnen viel abverlangt. Entschleunigung ist lebenswichtig. Während Lisa dafür in Bewegung sein muss, fläzt sich Pedro mit einem Joint aufs Sofa
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Lisa Diana Gretemer ist 29 Jahre alt. Sie hat die Pädagogische Hochschule abgeschlossen und danach eine Lehre als Floristin absolviert. Monatelang reiste sie danach durch Südostasien. Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich zurzeit mit Stellvertretungen als Primarlehrerin. Sie überlegt lange, bevor sie eine Frage beantwortet, wägt ihre Argumente mit ihrer weichen und doch bestimmten Art genau ab.

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Haben Sie manchmal das Gefühl, die Zeit laufe Ihnen davon?
Ich habe mir überlegt: Kann man Zeit verlieren, kann man Zeit sparen? Ich denke, man kann weder noch. Zeit ist einfach da, sie verläuft linear. Wie verlierst du Zeit? Der Gedanke ist lustig. Es hat doch einen Grund, weshalb man sich entschieden hat, etwas zu tun oder nicht zu tun. Wenn ich einen Regentag im Pyji vor dem Fernseher verbringe, ist das für mich keine verlorene Zeit, obwohl ich vielleicht etwas «Gescheiteres» hätte machen können. Und Zeit sparen? Anders einteilen, vielleicht, aber sparen? Man kann sie ja nicht aufheben für später!
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Sie waren acht Monate lang unterwegs, in Südostasien und in Australien. Eine Art Entschleunigungstrip?
Reisen entschleunigt mich sehr. Vor allem das Reisen über eine so lange Zeit, da beginnt man, sich so richtig treiben zu lassen. Ich lernte, auf mich selbst zu hören, auf mein Körpergefühl. Weil ich allein reiste, konnte ich völlig unabhängig entscheiden, was ich machen wollte, jeden Tag nach meinem Tempo gestalten, ohne einen fixen Zeitplan. Zu spüren, worauf ich Lust hatte, wann ich aufstehen, essen, schlafen wollte, wann ich bereit war, weiterzuziehen, das hat mir sehr gut getan.

Das ausführliche Interview mit Lisa Diana Gretemer  können Sie im «Schaffhauser Magazin» lesen.
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Würden Sie sich wünschen, in einer anderen Zeit zu leben?
Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Für mich stimmt es glaub schon, in dieser Zeit zu leben. Was ich aber gerne mal machen möchte, ist, eine Weile in einer spirituellen Selbstversorger-Community zu leben, in Asien oder in Südamerika. Einfach mal ausprobieren, wie sich das so anfühlt. Ich denke, diese Art zu leben, hat auch viel mit Entschleunigung zu tun.
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Pedro* ist 24 Jahre alt, laut und quicklebendig. Fragen beantwortet er offen und sehr ehrlich. Ehrlichkeit, das ist für ihn auch etwas extrem Wichtiges. Seit er 16 ist, steht Pedro auf eigenen Füssen. Er trägt viel Verantwortung in seinem Job als Projektleiter, jongliert oftmals mit hohen Beträgen. Um sich am Feierabend ausklinken zu können, kifft er. Und zwar relativ viel. Deshalb möchte er anonym bleiben.
 *Name der Redaktion bekannt
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Was passiert, wenn Sie gekifft haben?
Pedro*: Ich kiffe, seit ich elf Jahre alt bin. Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Der Vater eines Kollegen hatte eine Autoimmunkrankheit, deshalb durfte dessen Familie Hanf anbauen. Da standen nun die Zwetschgeneinmachgläser im Keller meines Kollegen, voller Blüten! Das mussten wir natürlich ausprobieren, und es war lustig - so viel zum Background. Kiffen war für mich schon immer ein Ausgleich in der ganzen Hektik, ich bin eher ein gemütlicher Mensch. Bis ich als Kind meine Schuhe anhatte, waren die andern schon losgelaufen! Mein Job ist sehr hektisch. Den Stress trage ich heim. Zum Runterfahren rauche ich einen Joint. Die Probleme sind schon noch da, aber sie sind extrem weit weg, das Rundum entschwindet. Schalte ich den Fernseher ein, kann ich voll eintauchen in eine Doku oder eine Serie, bin in einer völlig anderen Welt. Das funktioniert auch mit Computergames. Ich bin ein leidenschaftlicher Gamer. Habe mir gerade eins gekauft, da bist du ein Krieger in Griechenland.


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Würden Sie gerne in jener Zeit leben wollen?
Am liebsten als Legionär im Römischen Reich. Da konnte man noch so viel entdecken. Kontinente, Menschen, die komplett anders aussehen als du. Das kann man heute nicht mehr, oder man hat zumindest das Gefühl, man könne es nicht mehr. Man hat ja schon in der Schule vermittelt bekommen, wie die Welt funktioniert. Wir wissen, dass die Sonne keine Gottheit ist. Dass uns der Himmel nicht auf den Kopf fallen kann, wie die Gallier befürchteten. Auch die präzisen Zeitabstände, mit denen wir heute rechnen. Ich meine, wenn einer von Mykonos nach Rom reiste, dann brauchte er dafür drei Monde. Vielleicht brauchte er auch vier, das kam halt ganz auf die Umstände an. Heute fährt alle zehn Minuten ein Bus, und wenn du in einer Woche in New York sein willst, dann wirst du höchstwahrscheinlich pünktlich dort ankommen.
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Beim Arbeiten extrem auf Zack, in der Freizeit Slow Motion. Passen die beiden Extreme zusammen?
Es müsste beides mehr in die Balance. Dass ich bei der Arbeit nicht ständig so unter Druck stehe, dass es mir nicht mehr guttut, dass ich dafür in der Freizeit nicht so verchillt und verhängt bin, dass man mich nicht mehr brauchen kann. Manchmal schlage ich gern über die Stränge. Aber ich weiss auch, dass alles, was du dir an Energie vorschiesst, mit Drogen und Alkohol, das schneidest du dir hinten ab. Alles, was über das hinausgeht, was der normale Gang wäre, zahlst du mit deiner Lebenszeit.

Das ausführliche Interview mit Pedro können Sie im «Schaffhauser Magazin» lesen.

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Wandern

Text Daniela Palumbo
Bilder Selwyn Hoffmann, Daniela Palumbo
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Ueli Redmann und Laura Aguilar haben ein besonderes Verhältnis zum Gehen und den «Wanderführer Schaffhausen» verfasst. Ihre Routen komponieren sie wie ein Musikstück.
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Die Route von Siblingen über den Randen bis nach Schaffhausen wird etwa dreieinhalb Stunden dauern. «Das ist eine ideale Strecke», sagt Ueli Redmann, Er und seine Partnerin komponieren ihre Wanderungen wie ein Musikstück. Zuerst kommt die Einlaufstrecke, danach die Leistungsstrecke, die sie lieber am Anfang hinter sich bringen und sie an diesem Randenhang etwa 300 Meter Höhenunterschied bewältigen lässt; dann die Genuss­strecke, darauf die Ausdauerstrecke, die Auslaufstrecke und schliesslich das Dessert.

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Für den Wanderführer Schaffhausen, der letztes Jahr erschienen ist, arrangierten sie 60 Wanderungen, nachdem sie viele Pfade ausprobiert hatten, auch inoffizielle Wanderwege. «Schaffhausens Wandernetz ist gut gepflegt, aber rationalisiert und gestrafft», sagt Ueli Redmann. Interessante Pfade gerieten dadurch in Vergessenheit.
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So erwanderten die Spanierin und der Schweizer innerhalb von zwei Jahren 3000 Kilometer und lernten dabei die Landschaften des Kantons Schaffhausen gründlich kennen. Das war die Motivation für das Wanderbüchlein, denn Geld lässt sich damit kaum verdienen.
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Beide nehmen ihre Umgebung neugierig auf. «Ich zwinge mich zur Langsamkeit, um offen zu sein für alles, was mir begegnet», sagt Ueli Redmann. Er kennt die Namen der meisten Bäume, Büsche und Blumen. Weiss er nicht weiter, nimmt er das Smartphone, wo eine integrierte Lupe und die App der Flora Helvetica ihm helfen, jede Pflanze zu bestimmen. «Die Erfahrung kommt, wenn man langsam unterwegs ist. Ich sehe, rieche, bin im Leben drin und erfahre die Welt ganzheitlich.»

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An diesem Tag ist der Schritt ohne Hast, nichts treibt sie an, sie sind im Hier und Jetzt, atmen die Höhenluft und verleiben sich die Weite ein. Der Weg zieht sich und wandelt sich zur Ausdauerstrecke. 

Laura Aguilar könnte manchmal länger rasten. Wenn sie auf einem der zahlreichen Bänkli auf dem Randen vor einer Feuerstelle sitzen, sich mit Apfel, Schokolade, Getreideriegel stärken, «würde ich ein paar Minuten länger sitzen bleiben und die Umgebung geniessen». Ihren Partner hingegen zieht es weiter zum Abschluss, zur Auslaufstrecke.

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Am Schluss kommt der Dessert: Im letzten Moment, am Rand des Randens, erblickt man in der weiten Senke Schaffhausen: «Die Gartenstadt.» Selbst die Industriebetriebe wie GF fügen sich ins ruhige, grüne Landschaftsbild. «Oben unbewohnte Natur, alle Siedlungsränder unten sind definiert und nicht ausgefranst wie im Mittelland», sagt Ueli Redmann.«Das ist einzigartig.»

Die ausführliche Reportage über Ueli Redmann und Laura Aguilar können Sie im «Schaffhauser Magazin» lesen.
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Slow City

Text Daniela Palumbo
Bilder Selwyn Hoffmann

Langsame Stadt – das internationale Label – «Slow City», das Städte auszeichnet, die Wert auf ihre Regionalität und ihre Beschaulichkeit legen, scheint wie geschaffen dafür, Schaffhausens angekratzten Ruf aufzupolieren.
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«Blos e chliini Stadt, wo ein de ander khennt, und wenn au ufm Globus nienetwo din Name stoot, bisch du doch en Ort, wo sich's guet läbe loot», sang der Apotheker Dieter Wiesmann erstmals Ende der 1960er-Jahre als Hommage an seine Munot­stadt. Heute erntet sie allseits nur Häme von Medien, die Gemeinden und Städte verschiedener Grösse bewerten, als wären sie Äpfel unter Äpfeln.
So landet Schaffhausen im aktuellen Gemeinderanking der «Weltwoche» auf Platz 500 von 921. Dieses «miese Resultat» führte im Stadtrat zu einer Kleinen Anfrage, was er dagegen zu tun gedenke. Im diesjährigen Städteranking des Wirtschaftsmagazins «Bilanz», das unter 162 Städten die beste kürt, nimmt Schaffhausen Rang 55 ein.
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Dabei werden Kriterien und Indikatoren erhoben, die grosse Städte bevorzugen. Wer kann es in puncto Mobilität schon mit Zürich, Basel oder Genf aufnehmen? Daher landen Äpfel und Birnen im selben Statistikkorb, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Vergleichbare Alternativen sind durchaus vorhanden, die nicht nur Wachstum und Wohlstand im Auge haben, sondern sich vor allem auf Lebensqualität und Landschaftspflege fokussieren. Ein Ansatz, der aus einer kulinarischen Ecke spriesst und in Italien mit den vier Städten Bra, Greve in Chianti, Positano und Orvieto 1999 seinen Anfang nahm, verteilt das Label «Slow City». Langsame Stadt – lebenswerte Stadt.
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Alle Gemeinden mit weniger als 50 000 Einwohnern – Schaffhausen zählte laut offiziellen Schätzungen 2017 deren 36 332 – können mit dem Label ihre Vorzüge präsentieren, wenn sie die Kriterien des illustren und weltweit agierenden Netzwerks zur Förderung der Lebensqualität erfüllen. 252 Städte weltweit tragen die Auszeichnung.
In der Schweiz nennen sich offiziell Mendrisio (2008), in der deutschen Nachbarschaft Überlingen (2004) und Bad Schussenried (2010) «Slow City». 


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Um in den Kreis aufgenommen zu werden, muss eine Stadt auf eine nachhaltige Entwicklung setzen, regionaltypische Stadtbilder und Kulturlandschaften erhalten.
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Die Umweltqualität verbessern und regionale Wirtschaftskreisläufe erhalten.
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Regionale Besonderheiten und Produkte sowie das Regionalbewusstsein unterstützen.

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Gastfreundschaft sowie internationalen Austausch kultivieren, kulturelle Traditionen und Bräuche pflegen, traditionelle Esskultur fördern sowie auf den Geschmack und die Qualität der Ernährung achten.
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Dies alles im Dienste der Lebensqualität und der Lebensfreude.
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Mit ihrer speziellen Landschaft und ihren regionalen Eigenheiten dürfte die Munotstadt die Kriterien des Labels «Slow City» bestimmt erfüllen und weltweit Aufsehen erregen.
Unterdessen plant nicht der Stadtrat, sondern der Regierungsrat für die Jahre 2019 bis 2023 eine Schweiz-zentrierte Imagekampagne, um den Kanton als modernen Lebensraum und Wohnstandort zu vermarkten. Dass ihre Stadt lebenswert ist, das wissen deren Bewohner schon lange, und sie trällern es mit dem Lied von Dieter Wiesmann jedem ins Ohr.

Den ausführlichen Text über «Slow City» können Sie im «Schaffhauser Magazin» lesen.
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Diese Multimediareportage ist eine Kooperation zwischen dem Schaffhauser Magazin und shn.ch.

Projektleitung und  Produktion: Daniela Palumbo
Konzept: Daniela Palumbo, Alexa Scherrer, Kay Uehlinger
Texte
: Praxedis Kaspar, Daniela Palumbo, Andreas Schiendorfer, Diana Zucca
Bilder: Selwyn Hoffmann, Luisa Kehl, Julia Leppin, Daniela Palumbo
Bildbearbeitung: Christine Landolt, Franziska Rütschi
Videos: Selwyn Hoffmann, Julia Leppin, Daniela Palumbo, Kay Uehlinger
Videoschnitt: Kay Uehlinger


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